MIT UMWELTLERNEN ZU MEHR NACHHALTIGKEITSKOMPETENZEN?

Dez 15, 2021Lernen

UMWELT BILDUNG ALS NACHHALTIGE LERNRÄUME

 

NACHHALTIGKEIT I SUSTAINABILITY I Leitbild für ökologisches, wirtschaftliches und politisches Handeln

Was kann nachhaltiges Umweltlernen in zeitlich begrenzten Lernräumen bedeuten und welche Lerneffekte sind in Workshops erreichbar?

MEHR NACHHALTIGKEIT DURCH UMWELTLERNEN?

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) entfaltet sich durch methodisch angeleitetes Erfahrungslernen, das durch Inhalte und Ziele einen Rahmen erhält.  Im Mittelpunkt stehen besonders partizipative Methoden, mit denen ein Bezug zu Alltag und Lebenswelt hergestellt wird, die sich durch die Praxis- und Erfahrungsorientierung auszeichnen.

In dem Verständnis von Bildung für nachhaltige Entwicklung sind wichtige Entwicklungsherausforderungen für die Menschheit zum Schutz und Erhalt des Planeten Erde verankert. Die Grundlage dafür bilden die von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 Nachhaltigkeitsziele, die sogenannten „Sustainable Development Goals (SDGs)“.  Das gemeinsame Ziel besteht darin, für alle Menschen ein nachhaltiges, friedliches, wohlhabendes und gerechtes Leben jetzt und in der Zukunft zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, wurden die Umweltbildungsthemen wie Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheit, soziale Absicherung, Beschäftigung, Bewältigung des Klimawandels und Umweltschutz in den Nachhaltigkeitszielen verankert.

SCHLÜSSELKOMPETENZEN FÜR CHANGE AGENTS

Angesichts der großen globalen Herausforderungen werden transformatives Denken und Handeln zu Schlüsselkompetenzen für die Bewältigung künftiger Herausforderungen. Ziel ist es, Menschen zu sog. „Change Agents“ zu befähigen. Sie benötigen Wissen, Fähigkeiten, Werte und Einstellungen, um zum Erreichen von nachhaltiger Entwicklung beizutragen. Dazu zählt zum Beispiel die Förderung kritischen Denkens und von Perspektivenvielfalt und unterstützt die Erweiterung des Spektrums von Problemlösungsstrategien.

Nachhaltigkeitskompetenzen ermöglichen es, eigene Handlungen kritisch zu reflektieren und dabei soziale, kulturelle, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen im Blick zu behalten. Unter Einbeziehung lokaler und globaler Handlungsebenen bedeutet es unter anderem, Menschen, Gruppen oder gar Gesellschaften in partizipativen Prozessen zu beteiligen.

Um dies zu erreichen, wurden und werden Prinzipien und Praktiken einer nachhaltigen Entwicklung in Bildungs- und Lernprozesse integriert. Nachhaltigkeitskompetenzen fördern einen adaptiven Umgang mit Veränderungen von Wissen, Werten und Einstellungen zum Wohle einer nachhaltigeren und gerechteren Gesellschaft für alle.

Umweltbildung steigert nicht nur die Aufmerksamkeit auf Umweltthemen, sie fördert Kompetenzen, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

KOMPETENZVERMITTLUNG IN LIMITIERTEN ZEITFENSTERN

Wie lassen sich Prinzipien und Praktiken nachhaltiger Entwicklung in Lernmodulen mit kurzfristigen Zeitfenstern integrieren, wo doch lebenslanges Lernen den Rahmen bildet? Und kann Umweltlernen überhaupt in einem „theoretisch“ gerahmten Lernraum gelingen?

In jedem Lernraum bilden sich durch die Beteiligten soziale Systeme, die durchaus ein Umweltlernen ermöglichen. Vor allem lassen sich hier kritische Reflexion, Zusammenarbeit, Meinungsvielfalt und vernetztes Denken entwickeln. Ein Lernraum sollte einen geschützten Rahmen bieten, indem sich die Teilnehmenden ausprobieren können. Idealerweise finden die Lernräume auch praktische Anbindungen. In der Geographie sind klassische Elemente Exkursionen, Feldforschung, Praktika. Aber auch durch die Bearbeitung von praktischen Fallbeispielen können gute Lerneffekte kollaborativen Lernens entstehen.

Das Verhältnis von Lernen und Nachhaltigkeit bewegt sich im Spannungsfeld von Zielen, Themen und methodischen Vorgehensweisen in einem vorgegebenen zeitlichen Rahmen. Dieser variiert je nachdem, ob von Workshops, Trainings oder klassischer Lehre gesprochen wird.  Was ist möglich und erreichbar, wenn die durchschnittliche Dauer eines Workshops sich auf 1-2 Tagen oder Lehre sich in wöchentlichen 90 Minuten- Takten im Semesterverlauf erstreckt?  Wie kann es gelingen, dass die Teilnehmenden Lerngewinne oder Aha-Effekte mitnehmen, die sie zum weiteren langfristigen Nachdenken anregen und im Idealfall zu einem Handeln im Sinne der Nachhaltigkeitskompetenzen werden?

Tatsächlich lässt sich die Frage nicht so einfach beantworten. Grundlegend hierfür ist die Bereitschaft zu kritischer (Selbst-)reflexion. Diese ist bei jedem von uns je nach Thema individuell unterschiedlich vorhanden. Die Frage stellt sich, wie ein Arbeitsklima für eine vereinbarte Zeit hergestellt werden kann, so dass die Teilnehmenden auch wirklich bereit sind, in den gemeinsamen Austausch zu gehen und kritische Themen zu diskutieren. Einen solchen  Rahmen zu setzen, der genau diese kritischen Zugänge über Übungen, Reflexionen, Diskurs und Wissensvermittlung erlaubt, ist eine große Herausforderung.

Denn bei jedem Workshop oder bei jedem Semesterkurs ändert sich die Zusammensetzung der Teilnehmenden mit vielfältigen Hintergründen, Biografien, Erfahrungen und bringen neue Aspekte eines mitunter gleichbleibenden Themas ans Licht. Das ist ebenso spannend wie auch herausfordernd – für die Trainer*innen bzw. Lehrenden als auch für die Beteiligten. Das erfordert einen respektvollen Umgang im Miteinander, klare Regeln, ein ausgewogenes didaktisches Konzept und eine lernende Haltung der Anleitenden. Diesen Rahmen zu setzen gelingt unterschiedlich gut und basiert auf der Bereitschaft, voneinander lernen zu wollen.

WORKSHOPS ALS WERTVOLLE IMPULSGEBER?

Am Beispiel eines 2tägigen Workshops bleibt die Frage – was also können Beteiligte als Lerntransfer mitnehmen?

Sicher, die Teilnehmenden haben unterschiedliche Gründe und Erwartungen, wenn sie Zeit in eine Weiterbildung investieren.

Am Ende bleiben es Lernimpulse, die  durch didaktisch gut aufbereitete Reflexionsübungen in den Alltag mitgegeben werden können. Durch das Seminar-Feedback erhalte ich als Trainerin eine wichtige Rückkoppelung. Doch wie die Teilnahme am Workshop langfristig wirkt, bleibt mehrheitlich im Verborgenen.

Mitunter treffe ich Teilnehmende an anderen Orten wieder. Häufig erlebe ich dann, dass einzelne methodische Elemente, ein besonders guter Austausch in der Gruppe, eine tiefergehende Reflexion ihren Weg in den beruflichen Alltag oder in den individuellen Veränderungsprozess gefunden haben.

Eine wissenschaftlich fundierte Aussage ist das natürlich nicht.  Aber es stimmt mich hoffnungsvoll, dass sich die Investition in den Workshop für alle Beteiligten ein Stück weit gelohnt hat. Denn nachhaltiges Lernen braucht immer wieder frische Impulse, agile Herangehensweisen und verschiedene Blickwinkel, um komplexen Aufgaben gerecht zu werden.

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Quellen

  • Bormann, Inka, de Haan, Gerhard (Hrsg.) (2008): Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Operationalsierung, Messung, Rahmenbedingungen, Befunde. Wiesbaden.
  • 17 Ziele, https://17ziele.de/index.html